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Christian Friese

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Eine Spanierin in Bayern...

Werke von

  • Antonio de Cabezón
  • Francisco Correa de Arauxo
  • Sebastián Aguilera de Heredia
  • Carlo Monza
  • Gulliaume Lasceux
  • Neresheimer Orgelbuch
  • Joh. Seb. Bach
  • Franz X. Murschhauser
  • Joh. Pachelbel
  • Joseph Haydn
  • Wolfgang Amadeus Mozart

Christian Friese
an der spanischen Kleinorgel (um 1600)
in der St.-Stephanus-Kirche
zu Dießen am Ammersee (Bayern)

Preis: € 15,-

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Geschichte der Spanierin

Zur Aufnahme

 - Disposition

Unsere edle Lady muß irgendwann um 1600 in Westspanien an der Grenze zu Portugal das Licht der Welt erblickt haben. Wie bei jeder noblen Dame ist das genaue Geburtsdatum trotz intensiver Nachforschungen leider nicht mehr zu eruieren. Da keinerlei Signatur eines Orgelbauers die Zeugung beurkundet, bleibt auch die Elternschaft anonym.
Schon im 18.Jahrhundert wurde dem kleinen Instrument, das im Manualbereich eine Oktave höher als ein Klavier erklingt, ein Pedal mit 7 Tasten in normaler 8'-Lage hinzugefügt.  Die Manualklaviatur dagegen wurde im obersten Bereich um drei Töne durch einfache Teilung der Tonkanzellen erweitert. Der Blasebalg, der früher im Inneren der Orgel untergebracht war und vom Organisten selbst bedient werden konnte, wanderte nach außen und dürfte schon damals deutlich an Größe gewonnen haben.
Dichtungen der Windkanäle, die mit Papier von spanischsprachigen Zeitungen vorgenommen wurden, zeugen davon, daß die Orgel um1900 noch in Spanien stand.

1980 schließlich entdeckte sie der Dießener Pfarrer Msgr.Heinrich Winterholler bei einem Antiquitätenhändler in Köln. Der kunstsinnige Priester war auf der Suche nach einer kleinen Orgel für seine in altem Gemäuer neu errichtete Sankt-Stephanuskirche und erkannte auf den ersten Blick den Wert des Instrumentes.
Zunächst vermutlich unbespielbar, wurde sie notdürftig instand gesetzt, was ihrem Originalitätsgrad nicht unbedingt zum Vorteil gereichte.

Trotz aller Maßnahmen stellte sich heraus, daß der geringe Tastenumfang und die hohe Basistonlage des Instrumentes den liturgischen Einsatz ausgesprochen schwierig machten. So wurde eine neue Orgel angeschafft, unsere 'alte Dame' wurde ins 'Heim' verfrachtet, was in diesem Fall das ein Stock höher gelegene Kirchenmuseum bedeutete. Dort dämmerte sie unbeachtet und sicherlich gelangweilt vor sich hin, bis 1992 ein neuer Organist in ihr Leben trat.
Dessen Aufmerksamkeit galt, auch zur Freude des Pfarrherrn, nicht nur der großen Orgel des benachbarten
Marienmünsters, sondern vor allem der schlafenden, reifen Schönheit im Museum. Der Priester opferte einen stattlichen Geldbetrag aus seiner Privatschatulle, und die Erweckung konnte beginnen.

Die Windladen und die Mechanik waren noch relativ einfach instand zu setzen, aber die Restaurierung des Pfeifenwerkes gestaltete sich schwierig. Besonders die Rekonstruktion des Pfeifenwerkes forderte vom Orgelbauer Jean-Paul Edouard geradezu dedektivischen Spürsinn. Bei vorangegangenen Reparaturen wurden Pfeifen umgesteckt oder einfach entfernt. Diese wieder an ihren angestammten Platz zu bringen oder adäquat zu ersetzen war eines der Hauptprobleme. Da alle Pfeifen aus Metall sind, und von ähnlicher Gestalt, ähneln sie sich wie ein Ei dem anderen. Erst durch die Hinweise von Francis Chapelet, einem anerkannten Experten für alte spanische Orgeln, konnte der Fall geklärt werden.

Als endlich im November 1994 alle Pfeifen an ihrem Platz waren, stellte sich heraus, daß die Windversorgung mit der alten Anlage nicht ausreichte. Und das kurz vor dem Einweihungskonzert! Erst ein abenteuerliches Konstrukt mit einem eilig herangeschafften Ausgleichsbalg ermöglichte den ersten Klangeindruck der, zumindest in Bezug auf Pfeifen und Mechanik, perfekt restaurierten Orgel. So wunderbar das erste Klangergebnis, so eindeutig die Mängel bei der Windversorgung. Auch optisch war die Kombination aus altem Motorgehäuse, Ausgleichsbalg und neuem Motorbehältnis nicht unbedingt ein Gewinn.
Ein historisch originalgetreu rekonstruierter Blasebalg war nun zu beschaffen. Doch wer sollte das bezahlen? Die Mittel das Pfarrers waren diesbezüglich erschöpft, mehrere Spendenaktionen erbrachten nur den sprichwörtlichen Tropfen auf dem heißen Stein. Doch als Retter in der Not erschien plötzlich der Münchner Rotary-Club auf seinem Jahresausflug nach Dießen. Die Nöte des einzigartigen Instruments überzeugten die Mitglieder und mit der folgenden 'Weihnachtsspende' konnte der dringend benötigte Balg in Auftrag gegeben werden.
Die Windversorgung wurde so angelegt, daß sowohl Motor-als auch Handbetrieb möglich sind. Auf der vorliegenden Aufnahme werden beide Varianten deutlich vorgeführt. Durch die nunmehr nahezu perfekte Windzufuhr zeigte sich endlich der - trotz geringer Pfeifenanzahl und niedrigem Winddruck - strahlende und überraschend raumfüllende Klangcharakter des Instrumentes.

Im Rahmen eines Benefizkonzertes für die edlen rotarischen Spender konnte die Restaurierung unserer Kleinorgel am 26.2.1999 endlich würdig abgeschlossen werden.
Seither erhebt unsere spanische Lady zur Freude der Kirchenbesucher nicht nur in Konzerten, sondern auch bei so manchem Gottesdienst ihre kräftige und einzigartige Stimme.

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Zur Aufnahme

Mit der vorliegenden Aufnahme möchten wir die klanglichen Möglichkeiten des Instrumentes vorstellen und selten gespielte spanische Originalmusik aus der Entstehungszeit der Orgel präsentieren. Darüber hinaus soll durch abwechslungsreiche Registrierung und mit Werken aus anderen Ländern und Epochen auch dem interessierten Laien angenehme Unterhaltung geboten werden.

Zu den Besonderheiten original erhaltener, alter Orgeln zählt die sogenannte 'ungleichschwebende' Stimmung. Im vorliegenden Fall ist es eine 'mitteltönige' Stimmung, bei einer Stimmtonhöhe von ca. 415 Hz für das a', im Gegensatz zu 440 Hz heutzutage. Bei derartigen Stimmungen werden Tonarten mit wenigen Vorzeichen wie F-Dur, C-Dur oder G-Dur sehr rein im Klang wiedergegeben. Tonarten wie Des-Dur oder H-Dur dagegen klingen für heutige Ohren fast unerträglich verstimmt. Die Komponisten früherer Zeiten haben mit diesen Tonarten-Charaktern ganz bewußt gearbeitet. Ein typisches Beispiel findet sich im 'Recit de flutes' von Guilleaume Lasceux (Nr. 19). Etwa in der Mitte erklingt plötzlich eine Zeile in ausgesprochen scheußlichem Des-Dur im Gegensatz zur wunderbar reinen Haupttonart F-Dur. Auch das 'Adagio für Glasharmonika' von W.A.Mozart (Nr. 13) bietet etliche stimmungsbedingte Herbheiten, die jedoch die wunderbare Atmosphäre des Stückes eher bereichern als stören.

Scheinbar störend wirken anfangs auch die vielen Nebengeräusche. Bei einer Aufnahme mit einem sehr kleinen und alten Instrument sind sie aufgrund des geringen Mikrophonabstandes und der klapprigen Mechanik nicht zu vermeiden. Nach einer kurzen Gewöhnungsphase verschwinden sie für das Ohr jedoch hinter dem weitaus interessanteren Klang der Pfeifen.

Die Windversorgung der Orgel ist, wie schon erwähnt, zweifach angelegt. Das Motorgebläse bietet sehr stabile Luftversorgung, die aber im Gegensatz zum handgeschöpften Wind eher kalt und starr wirkt. Bei Handbetrieb, der vom sogenannten 'Kalkanten' größte Sorgfalt verlangt, lassen sich zwar kleine Tonhöhendifferenzen durch den unterschiedlichen Winddruck nicht vermeiden, der Gesamteindruck ist jedoch, durchaus wahrnehmbar, lebendiger und edler.

Manche Orgeln bieten die Möglichkeit, auf die rechte und linke Tastaturhälfte gleichzeitig verschiedene Register ziehen zu können. Dadurch lassen sich auf nur einer Klaviatur Solo- von Begleitstimmen deutlich abheben. Bei unserer Spanierin liegt der Trennungspunkt, gemäß der iberischen Tradition, einen Halbton höher als bei anderen europäischen Instrumenten, also zwischen c' und cis'. So lassen sich entsprechende Werke der altspanischen Orgelmusik, die zur Realisierung auf anderen Orgeln mehrerer Manuale und Pedal bedürfen, hier bequem auf einer Tastatur spielen. Als Beispiele hierfür sollen Nr. 4 und Nr. 16 dienen.

Preziosen besonderer Art sind auch die sogenannten 'Flötenuhrstücke' Nr. 9 - 12. Sie wurden im Barock für kleine Uhren komponiert, bei denen gleichzeitig mit dem Uhrwerk zu jeder vollen Stunde ein kleiner Blasebalg aufgezogen wurde, der dann mit den nur wenigen und kleinen Pfeifen dieser 'Flötenuhr' ein kurzes Stückchen erklingen ließ. Haydn, Mozart und Beethoven lieferten die adäquaten musikalischen Vorlagen für diese kleinen mechanische Meisterwerke. 

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Orgel-Steckbrief

Gebaut um 1600 von einem unbekannten Orgelbauer in Westspanien an der Grenze zu Portugal.
Verändert in 18. Jahrhundert: Drei Manualtöne ergänzt und ein Pedal mit seperatem 8'-Register angehängt.
1980 Instandsetzung durch Max Offner (Kissing).
Umfassende Restaurierung 1994 und 1998 durch Jean-Paul Edouard († 2008), Huglfing/Bethines

Disposition

 

 

Manual:

 

 

Prinzipal 4'

original

C-es Holz, e-c3 Zinn

Oktave 2'

8 Pfeifen original

C, D, E Holz,  F-c3  Zinn

Quinte 1 1/3' 2 f. rep.

1/3 original

Zinn

Mixtur 1' 2-3f.

2/3 original

Zinn

Pedal:

 

 

Gedeckt 8'

original (später)

Holz

Manualumfang C-c3 mit kurzer Oktave. Pedal C D E F G A B an Manual angehängt.
Baß-Diskantteilung bei c'/cis'.
Winddruck 50 mm. Stimmung mitteltönig a' 415 Hz bei 18°C.
Alle Metallpfeifen sind aus fast 100-prozentigem Zinn.

Aufnahme: 3.11.1999/10.4.2005 in St. Stephanus, Dießen am Ammersee
Aufnahmeleitung und Schnitt: Egmont Gabler

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