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Die Steuerung der Kegelladen erfolgt pneumatisch. Der Spieltisch kam mittig vor der Orgel mit Blickrichtung des Organisten zum Altar zu stehen. Hinter den äußeren vier
Prospektfeldern stehen C- und Cis-Lade des I. Manuals, die Register des II. Manuals befinden sich im Unterbau, die des Pedals hinter dem Gehäuse.
Prof. Josef Becht aus München verfasste am 11. Juni 1903 das Abnahmegutachten:
Gutachten.
Die von den Orgelbauanstalt Willibald Siemann in München, Steinheilstr. No. 7, für die Kloster- und Wallfahrtskirche in Grafrath neuerbaute Orgel zu 18 klingenden Registern,
verteilt auf zwei Manuale und Pedal, nebst Nebenzügen, Druckknöpfen und freier Combination, habe ich einer eingehenden Untersuchung unterzogen u. mich hiebei überzeugt, daß obengenannte Firma ein
hervorragend schönes Werk geschaffen hat. – Die einzelnen Register, namentlich Gamba 8’, Salicional 8’ u. Rohrflöte 4’ im I. Manual, sodann Geigenprincipal 8’ u. Dolce 8’ im II. Manual, sowie Violin 16=
und Cellobaß 8’ sind sehr charakteristisch, tadellos ansprechend u. von ausgezeichneter Wirkung. Der Klang der einzelnen Registergruppen, wie auch der vollen Manuale, welche noch durch die Octavcoppel zu
großer Tonfülle gesteigert werden kann, ist durchaus nobel u. den räumlichen Verhältnissen der Kirche entsprechend. Durch Anbringung der Röhrenpneumatik u. Relais ist ein äußerst glattes,
augenblicklich funktionierendes Spiel ermöglicht, wobei durch völlig genügende Windzufuhr durch den Magazinbalg in die Windladen (Kegelladen) eine tadellos ruhige Tonentwicklung gegeben ist. – Die
Intonation des ganzen Werkes darf (also) als durchaus künstlerisch bezeichnet werden. – Wenn ich schließlich noch bemerke, daß sowohl Holz- als Zinnpfeifen aus bestem Material sorgfältigst gearbeitet
sind, so glaube ich erschöpfend meine Anerkennung ausgesprochen zu haben u. gratuliere ich dem Erbauer u. den Förderern dieses schönen Werkes herzlich.
Im Jahre 1917 mussten die Zinnpfeifen des Prospektes für Kriegszwecke abgegeben werden; sie wurden 1927 durch Hans Eisenschmid (München) in Zink ersetzt (Kosten mit Stimmung und
Nachintonation der Orgel: 587 Mark; Siemann selbst hatte übrigens Interesse an diesen Arbeiten angemeldet). 1938 führte Orgelbauer Josef Herzog aus Gernlinden eine Entstaubung des Werkes zu 90 RM. durch.
Eine weitere Reinigung und Stimmung erfolgte 1955 durch Leopold Nenninger (München). Dabei wurden außerdem Änderungen im Sinne der Orgelbewegung durchgeführt: die
Mixturzusammensetzung wurde verändert (nunmehr 4f. 1 1/3’, ohne Terzchor), das II. Manual erhielt eine Zimbel 2f. 1 1/3’. Orgelbaumeister Nenninger schrieb am 23.08.1955 an P. Autbert Karg: [...]
Die Zimbel im II. Manual haben wir nur zweifach angelegt um so (nachdem im II. Man. weder eine Aliquote noch ein 2’ vorhanden ist) die Möglichkeit zur Soloregistrierung zusammen mit einem einzigen
8’-Register zu geben. Auf diese Weise haben wir eine (wenn auch kleine) „Klangkrone“ und eine „Mischstimme“ gewonnen. An der Mixtur werden Sie die Änderungen wohl selbst merken, jetzt – nachdem die Terzen heraussen sind und die Oktaven und Quinten obertöniger intoniert sind – gibt sie dem Hauptmanual Glanz und Frische. [...]
Der vorgesehene Einbau eines Crescendotrittes in den alten Spieltisch erwies sich, obwohl der Apparat bereits fertiggestellt war, als nicht durchführbar. Außerdem legte Nenninger auch ein Angebot
über „10 Prospektpfeifen in 16’-Länge aus Zink“ zum Preis von 690,- DM vor, das glücklicherweise ebenfalls nicht ausgeführt wurde.
Um 1970 wurde durch Alois Wölfl (Unterflossing) der originale Spieltisch entfernt, ein gebrauchter größerer kam um 90 ° gedreht seitlich zur Aufstellung. Das Register Octav 2’
wurde auf neuer Zusatzlade ins II. Manual versetzt, das I. Manual erhielt dafür eine neue Spitzflöte 2’. Im II. Manual wurde Dolce 8’ zu Quint 2 2/3’ abgeschnitten. Aeoline 8’ wurde auf Schwebung
gestimmt.
Eine weitere umfassende Überholung der Orgel erfolgte in den Jahren 1989/90 durch die
Firma G. F. Steinmeyer & Co. (Oettingen). Neben einer Reinigung des Instrumentes wurde die vorhandene Zusatzlade des II. Manuals mit den neuen Registern Traversflöte 4’
und Cornett 1-3f. 2 2/3’ bestückt. Das I. Manual erhielt auf einer neuen Zusatzlade eine Trompete 8’, das Pedal eine Posaune 16’. Das Register Dolce 8’ wurde wieder angelängt, Octav 2’ ins I. Manual
zurück versetzt. Die originale Mixturzusammensetzung im I. Manual wurde wiederhergestellt, Zimbel im II. Manual entfernt. Ein neuer pneumatischer Spieltisch (von der Firma Eisenschmid in Erling gefertigt), dem ursprünglichen mit seinen terrassenförmig angeordneten Registerzügen nachempfunden, sowie pneumatische Zwischenrelais für I. Manual und Pedal vervollständigten die Arbeiten zunächst.
Noch während der laufenden Arbeiten gelang es dem damaligen Pfarrer, Unterlagen, darunter das oben erwähnte Originalangebot Siemanns, im Archiv des Klosters aufzufinden. Hätte
man zum Zeitpunkt der Auftragsvergabe im Jahr 1988 Kenntnis dieser Dokumente gehabt, wäre die Herstellung der ursprünglich vorgesehenen Originaldispositions Siemanns außer Frage gestanden.
Die Unzufriedenheit mit dem nunmehrigen Klangbild, bedingt vor allem durch eine unpassende, barock orientierte Mensurierung der beiden Zungenregister sowie die doppelten Terzen
in Mixtur und Cornett, veranlasste die Verantwortlichen, eine erneute Reinigung nach der großen, 2004 beendeten Innenrenovierung der Kirche zum Anlass zu nehmen, die Disposition nach dem wieder
aufgefundenen Angebot Siemanns von 1902 herzustellen. Darüber hinaus wird Traversflöte 4’ (II) erneuert; die Pedalposaune wird durch Quintbass 10 2/3’ ersetzt. Die Arbeiten werden von Orgelbaumeister
Andreas Offner aus Kissing (Intonation: Stefan Niebler) ausgeführt.
Die Disposition der Orgel der Grafrather Klosterkirche stellt sich ab Sommer 2005 nunmehr folgendermaßen dar (nach der Stellung der Register auf den Windladen):
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